Adenauer, Demokratie und Liberalismus oder Hausbesitzer machen keine Revolution

Im Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung ist am 4. Mai 2020 folgendes zu lesen (Auszug):

„Goldmann: Kann die Europäische Union den „European Way of Life“ bewahren (helfen)? Auch wenn um sie herum es eher in andere Richtungen geht?

Chatzoudis: Andreas Rödder meint in seinem Buch 2.0, dass die europäische Nachkriegszeit bis 1990 sowieso eher eine historische Ausnahme gewesen sei. Je größer der zeitliche Abstand dazu wird, um so mehr kann ich dem was abgewinnen.

Zimmerer: Eingefroren in den Nischen des Kalten Krieges? Aber Ausnahmen in welcher Hinsicht?

Goldmann: Ausnahme in Bezug auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Gleichheit? So zumindest sieht das auch Piketty.

Chatzoudis: Mit Ausnahmen meinte ich Befriedung und Stabilität der Gesellschaft, ein regelmäßiges Wachstum, die Tendenz zur europäischen Integration.

Zimmerer:  Um auf Herrn Goldmann zurückzukommen: Was ist denn der „European Way of Life“ jenseits überbordender Ressourcenverschwendung?

Goldmann: Guter Punkt, man muss ihn wohl neu denken. Ich bezog mich auf Tony Judt: Europa als das Versprechen einer offenen, relativ gleichen Gesellschaft, in der man gegen wesentliche Lebensrisiken abgesichert ist.

Zimmerer: Deshalb trifft UNS Corona so hart, weil das mit der Absicherung gegen Lebensrisiken nicht so gut klappt, auch weil das Wohlstandsversprechen als leeres Versprechen entlarvt wird.

Richter: Ha! Das ist sehr provokant! Ja, wie Tony Judt: Europa im aufklärerischen Geist (ja, ich würde die Aufklärung verteidigen!). Als das Versprechen von Gleichheit, das alle betrifft, das allen gilt: ein utopisches Projekt, für das sich der Einsatz lohnt.

Chatzoudis: Ein Liberalismus, der Brüderlichkeit als Einschränkung der Freiheit begreift, der Gleichheit nur noch als kulturelle Gleichheit versteht, ist ein auf den Markt und das Individuum reduzierter Liberalismus. Dass die sogenannten Populisten genau diese Leerstellen besetzen, ist leider ihre Stärke.

Zimmerer: Ja.

Richter: Demokratiehistorisch finde ich es interessant, dass sich das nicht auseinanderdividieren lässt. Demokratie ohne Wohlstand (mit Hunger etc.) ist keine gute Lösung. Weimar hat gezeigt, dass die Menschen daran wenig Interesse haben.

Goldmann: Schade, dass die weltweiten Demokratiebeglückungsversuche in den 1990ern das nicht beherzigt haben…

Zimmerer: Ja, die alte Maxime Adenauers, er wünsche sich ein Volk von Häuschenbesitzern, die machten keine Revolution, und er meinte damit sowohl sozialistische wie faschistische Umstürze. …“

Marx hat herausgefunden, daß Revolutionen immer „Messer-und-Gabel“ Fragen sind.

Adenauer und Marx haben verstanden wie man Demokratie stabilisiert.

Keine Altersarmut, Absicherung der Lebensrisiken, hohe Kaufkraft etc.

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