Das Ende symbolischer Politik? – die Angst vor dem Internet

Die Debatte um das Urheberrecht zeigt aktuell das Problem symbolischer Politik. Symbolische Politik ist ein wesentliches Merkmal politischer Psychologie. Es geht darum, durch eine symbolische Handlung so zu tun als ob man etwas tun würde. Manchmal tut man dann auch tatsächlich was. Aber meistens nicht.

Medienkarawane

Es geht darum, dass man dort, wo die Medienkarawane gerade ist, genau das tut, von dem die Menschen glauben, dass man es tun solle. Das geschieht meistens aber nicht echt sondern im Rahmen einer Ersatzhandlung – symbolisch. Dann zieht die Medienkarawane weiter und kaum einer fragt nach, ob auf die Symbolik dann echte Handlungen folgen.

Ein Beispiel: Als die Medien das Thema Umweltschutz ganz vorne hatten, flog Kanzlerin Merkel zusammen mit einigen anderen auf einen Eisberg und verkündete, dass man beschliessen würde, Treibhausgase um x Prozent zu reduzieren.

Nur darum geht es. Symbolische Politik ist das eigentliche Merkmal der Fernsehdemokratie mit angeschlossenen Zeitungen. Aber diese Art der Politik bekommt Konkurrenz.

Aktionen im Internet sind so nicht steuerbar und das Internet macht alle Meinungen gleich wichtig.

Und zusätzlich soll man zunehmend für die Meinungen der Politik bezahlen, damit man sie noch lesen darf…

Das ist eben dann ein echter Bedeutungsverlust für viele Politiker dieser Art.

Soziale Netzwerke

Als zu Guttenberg gehen musste, gab es auf Facebook eine Fangruppe (oder besser Fanggruppe?) und ganz schnell wurde versucht, die Facebook-Gruppe zur Meinungsbildung heranzuziehen.

Mittlerweile haben aber immer mehr Menschen bei Facebook und woanders gemerkt, dass diese Klicks eher Akte der Faulheit als des Engagements sind. Denn in den Fällen, in denen echtes langfristiges Engagement gefragt wäre, kam in vielen Fällen nach dem Klick nichts mehr.

Und so wurde zu Guttenberg hier auch das Opfer einer Fehleinschätzung, aber diese Geschichte kann sich ja jeder ergooglen.

Umfragen

Da man mit Umfragen gerne symbolische Politik als Thema in die Medien brachte und beide Seiten gut zusammenarbeiteten, hat nun auch die Meinungsforschung ein Problem. Sie wird auch nur noch als eine Möglichkeit neben dem „Gefällt mir“ Knopf und anderen Dingen gesehen und vielfach auch nur noch so ernst genommen.

Und dann kommen neue Menschen und machen Meinung nur über das Internet und immer mehr merken, ja die Deutschen sind nicht nur im Internet, sie lesen so etwas auch.

Schon sind wir bei google und der freien Auswahl und der Freiheit zu lesen, was man will.

Dies alles sind Giftspritzen für die symbolische Politik und deshalb zeigt sich zunemend eine Nervosität, weil die Zukunft in der Politik nicht mehr von den Medienmachern alter Schule abhängen wird.

Alle Informationen werden gleichrangig

Und die Chance, abweichende Informationen mit einem Klick auf die Ebene der gut vernetzten früheren Leitmedien in Presse und Fernsehen zu bringen ist nun mal eine echte Verbesserung der Demokratie und der Transparenz.

Und sie führt dazu, dass immer mehr Menschen durchschauen, dass die Politik Beruhigungspillen abgibt statt die Probleme zu lösen.

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