Hartz 5. Ein Hartz 4 Roman von Peter Hetzler

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Es schellt. Sie öffnen die Tür. Zwei Personen kommen herein und inspizieren ihre Wohnung. „Nutella und Langnese-Honig. Können Sie sich von ihrem Arbeitslosengeld Markenprodukte leisten, Frau Sanders?“

Mit dieser Szene beginnt ein Roman zu diesem Thema, der wirklich „kafkaesk“ anmutet. Der Roman ist ein einzigartiges Lesevergnügen und zeigt, wie nach mehr als zehn Jahren das Hartz 4 System abläuft.

Der Roman differenziert auch in der Fiktion und zeigt, dass es Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter gibt, die sachgerecht entscheiden. Doch die Probleme tauchen ja bei denen auf, die erst einmal als Fallmanager oder Sachbearbeiter ihre Machtposition ausnutzen und die aus Mitmenschen eine Art Untermenschen machen wollen.

Das Beispiel hier zu Beginn mit dem Sozialdetektiv zeigt sehr genau, wie aus einem Gedanken gegen Sozialbetrug ein Instrument zur Schikane für kleine Leute wurde. Wenn organisierte Familienclans Sozialgeld kassieren und daneben Drogen oder Zuhälterei betreiben, dann ist der Einsatz eines Sozialdetektives sinnvoll.

Wenn aber kleine Leute ihren Alltag bewältigen und sie dann so angepackt werden, dann ist dies meiner Meinung nach die Rückkehr einer neuen Art von Faschismus mit Unterwerfungsmechanismen und Sündenbockphilosophie. Denn dann werden Menschen, die jahrelang oder Jahrzehntelang in dieses System eingezahlt haben per Gesetz zu „Sozialbetrügern“ gemacht und nicht weil sie es tatsächlich und willentlich sind. Denn erst wenn es ein Hartz-System geben würde, das genug Geld zum Leben läßt und damit die echte Grundversorgung abgedeckt ist, wäre eine solche Debatte überhaupt angemessen.

Wenn man dazu dann noch möglicherweise psychopathische Personen einsetzt, ist klar, was dabei herauskommt. Und dagegen kommt man nur an, wenn man sich wehrt.

So hat der Roman eine sehr sympathische und sich entwickelnde Story, die ich nicht verrate, weil sie bis zum Schluß spannend bleibt und zeigt, dass jeder Psychopath an seine Grenzen gelangt. Ich habe den Roman in einem Zug gelesen, weil er mir so gut gefiel.

Der Roman macht auch Mut und zeigt in seiner Handlung, dass es Menschen in der Behörde gibt, die vernünftig mit dem System umgehen und dass es auch darauf ankommt, sich nicht alles gefallen zu lassen. Dabei wird deutlich, wie wichtig Erwerbslosenforen und Beratungen sein können und die Öffentlichkeit wird immer wichtiger.

Sehr schön haben mir auch die Geschichten gefallen, die zeigen, wie viel Zeitarbeitsfirmen durch den „Arbeitgeberservice“ verdienen können, wenn sie erwachsene Menschen in Praktika stecken und damit noch Geld verdienen, die völlig sinnlos sind. Da wird dann deutlich, dass hier Steuergelder verquast werden, statt damit den Aufbau von Beschäftigung zu fördern.

In dem Roman ist Hartz 5 eine Selbsthilfegruppe, die dafür sorgt, dass aus Recht nicht Unrecht wird und dabei weniger juristisch und mehr öffentlich vorgeht, weil in dem System so viele Fehler gemacht werden, dass mittlerweile jeder 2. Prozess vor Sozialgerichten gewonnen wird.

Allein das zeigt schon, dass es hier gar nicht um ein einfaches System geht sondern um ein Mittel zur Erhöhung der Bürokratie und zur Schaffung von Beamtenstellen und anderen Arbeitsplätzen.

Ich habe mich gefragt, wie lange sich ein Land wie Deutschland noch ein System leisten kann, in dem die Menschen nicht einfach anständig behandelt werden, sondern mehr Geld für die Verwaltung drumherum ausgegeben wird inklusive der sozialen Folgekosten statt eine einfache Lösung herbeizuführen.

Ein Mutmacherbuch, ein gutes Buch, in jeder Buchhandlung.

Peter Hetzler
Hartz 5. Ein Hartz 4 Roman

Noch ein paar Hinweise zum Thema Hausbesuche ausserhalb des Romans als Ergänzung von mir:

„Die Grenzen der Ermittlungstätigkeit des Außendienstes sind in der verfassungsmäßig geschützten Persönlichkeitssphäre zu sehen. Dies ist insbesondere bei Befragungen Dritter von Bedeutung. Bei Hausbesuchen ist die Unverletzlichkeit der Wohnung (siehe Kapitel 2.1) zu beachten. Die Ermittlung von Sachverhalten und Erhebung von Beweisen dürfen nur unter Berücksichtigung sozialdatenschutz-rechtlicher Vorschriften (SGB X – Zweites Kapitel) erfolgen.“

So formuliert es die Bundesagentur für Arbeit selbst und sie weist auch noch auf folgendes hin:

„(1) Hausbesuche sind nur in besonders begründeten Fällen zuläs-sig. Immer dann, wenn sich die gesetzlichen Tatbestandsmerkmale bezogen auf den einzelnen Sachverhalt nicht anderweitig (Beach-tung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit) ermitteln lassen, kann die Behörde mit Hilfe eines Hausbesuches versuchen, den Sachverhalt abschließend zu klären.
Der Hausbesuch ist nur dann durchzuführen, wenn er zur Klärung bereits bekannter Indizien beitragen kann. Eine routinemäßige Durchführung von Hausbesuchen zur Feststellung von Leistungs-missbrauch ohne vorherige Indizien ist nicht zulässig.“

„(9) Wegen der Verweigerung des Zutritts zur Wohnung als solcher ist es nicht möglich, einen Leistungsanspruch nach § 66 SGB I zu versagen, da für Hausbesuche keine Mitwirkungspflicht im Rahmen des § 60 SGB I besteht. Es ist allenfalls möglich, die beantragte Leistung abzulehnen, wenn der Sachverhalt nicht anderweitig aufgeklärt werden kann.“

Übrigens bedeutet Hausbesuch nicht, dass jemand in die Schränke schauen darf oder sogar selbständig Schränke öffnen darf. Das ist nur erlaubt mit ausdrücklicher Zustimmung des Betroffenen.

Man muß es eben im Zweifelsfall darauf ankommen lassen.

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