IGEL und Erfolgsmodelle im Internet

Das sogenannte Leistungsschutzrecht für Verleger ist in aller Munde. Das ist ein Witz. Ein gutes Beispiel findet sich aktuell bei Stern.de. Wollen Sie wissen, was Beamte verdienen? Wenn Sie dieses Thema anklicken, dann kommen Sie auf eine werbende Einführung und dort steht dann in einem Kästchen: „Was Beamte verdienen 100 Berufe im Vergleich – lesen Sie mehr dazu im aktuellen Heft, ab sofort im Handel.“ Es gibt die Informationen also gar nicht kostenlos. Es ist ein Beispiel, welches zeigt, es gibt keine Kostenlos-Kultur im Netz, es sei denn, man nimmt das Bloggen übereinander als Kostenlos-Kultur. Ein gutes Beispiel für das Bloggen übereinander ist ein Artikel von Christian Stöcker von Spiegel online über Monika Piel, Stefan Niggemeier und viele andere.


Christian Stöcker stellt bei Spiegel online fest: „Man kann es offenbar nicht oft genug sagen: Das Problem, das Presseverlage im Internet haben, ist nicht, dass dort nicht für Presseerzeugnisse bezahlt würde. Von den Verkaufserlösen könnte in Deutschland kaum ein Medienhaus leben – der unter marktwirtschaftlichen Bedingungen hergestellte Journalismus ist auch hierzulande seit eh und je maßgeblich werbefinanziert. Das Problem, das das Internet gebracht hat, sind nicht mangelnde Verkaufserlöse, sondern ein gigantischer Zuwachs an Werbeflächen – die natürlich nicht mehr alle in den Angeboten von Verlagshäusern liegen. Mit Online-Werbung wird derzeit zu wenig verdient, um die Verluste aus dem Printgeschäft auszugleichen.“

Wer bei Spiegel online werben will, der kann dies mit einem Selbstbuchertool machen. Dabei gibt es zwei Varianten, eine Abrechung nach Einblendungen und eine Abrechnung nach Klicks. Es gibt keine Abrechnung nach Zeit. Die kleinste Abrechnung nach Klicks kostet 99 Euro für 50 Klicks bis 999 Euro für 1000 Klicks, im Prinzip ein Euro pro Klick. Bei den Einblendungen kosten 20.000 Einblendungen 99 Euro, 400.000 Einblendungen 999 Euro.

Offenkundig ist Spiegel online ein Erfolgsmodell. Wenn ich das richtig sehe, dann ist Spiegel online bei google auffindbar bis auf eine gewisse Ebene. Es gibt bei Spiegel online keine Google-Webung sondern nur Werbung, die direkt über Spiegel.de kommt.

Diese Art der Werbung  ist natürlich der Grund für die Kannibalisierung auf dem Werbemarkt. Im Printbereich bezahlt man für eine Ausgabe. Diese ist zeitlich gebunden. Da wird dann nicht gefordert, dass der Leser die Anzeige ausschneidet und beim Verlag abgibt. Und je nach dem wieviele Anzeigen abgegeben werden entsprechend nimmt die Zeitung Geld für die Anzeige vom Kunden. Fair im Internet wäre ein Vergütungsmodell nach Zeit. Ich schalte z.B. eine Anzeige auf einer Seite für einen Monat und zahle für einen Monat. Damit könnten alle leben, selbst Blogger und freie Journalisten. Aber das wollen offenkundig viele Mediaagenturen nicht, weil sie selbst davon leben, im Prinzip genau dies zu tun: Werbeplätze zu verkaufen und den Gewinn nur als Abrechnung per Klick weiterzugeben.

Aber man muß natürlich auch sagen, daß jeder Blog ja Anzeigen anbieten kann, im Prinzip im Kleinen dasselbe tun wie Spiegel online im Großen. Wenn es dann Mediaagenturen gäbe, die dies sammeln und eine Gebühr dafür erhalten, wenn sie diese ebenfalls pro Woche oder pro Monat woanders anbieten und nicht per Klick sondern pro Zeiteinheit zahlen, dann wäre dies ein Geschäftsmodell für alle Beteiligten, weil es eben viele Nischen auf einmal sind, in die die Anzeigen kommen und alle Beteiligten echtes Geld bzw. eine echte Positionierung erhalten. Ich meine mich an solche Ansätze im Internet erinnern zu können.

Nun denn, manches wird sich wie im Zeitalter der Globalisierung wie im Zeitalter der Industrialisierung noch verschärfen, die Vernunft kehrt immer erst nach dem Rückzug der Gier ein. Die Gier ist nicht zu stoppen, sie zieht sich immer nur solange zurück wie es nichts mehr zu fressen gibt. Das ist die Zeit der Vernunft, die dann vieles aufbaut. Und dann kehrt die Gier zurück im Kleid der Freiheit und alles geht von vorne los. Aber das ist nur eine Randnotiz der Weltgeschichte des menschlichen Charakters.

Etwas lustig in diesem Zusammenhang ist immer die Unterteilung nach Page Impressions und Visits, die auch die IVW vornimmt. Früher war eine Internetseite eine Seite, auf der man nach unten rollen mußte. Das ergab einen Klick und einen Besuch. Heute wird diese Seite vielfach unterteilt in viele Seiten. Man erhält quasi nur noch Seitenabschnitte oder Kapitel und muß dann jeweils auf weiter klicken. So kommt man dann von einem Klick auf viele Klicks. Und wenn man dann noch Bildfolgen einbaut kommt man auf noch mehr Klicks.

Wenn ich früher auf einer Seite mit einem längeren Text  zehn Fotos einbaute, dann war das ein Klick und eine Seite. Wenn ich dasselbe heute in zehn Kapitel unterteile und eine Bildfolge zum Anklicken einbaue, dann muß derselbe Leser/dieselbe Leserin heute zehn Mal oder zwanzig Mal oder sogar noch mehr klicken, um dasselbe zu lesen und zu sehen. Da ich auf jeder Seite und bei jedem Bild unterschiedliche Werbung einbauen kann und damit die Statistik erhöhe, ist diese Struktur heute gang und gäbe.

Doch  es geht auch anders. Es gibt offenkundig auch Erfolgsmodelle im Netz, die anders funktionieren. Mit einer einfachen Internetseite hat es der Amerikaner Ken Rockwell geschafft, von seiner Fotoseite zu leben. Seine Paypal Botschaft ihm und seiner wachsenden Familie zu helfen ist offenkundig ausreichend. Ein anderes Erfolgsmodell zeigt Sascha Pallenberg. (Update: Dazu gibt es jetzt noch einen Artikel bei virwa.)

Womit kann man als Blogger Geld verdienen? Einen sehr guten Artikel zu diesem Thema hat Ulrike Langer in ihrem Blog medialdigital.de verfasst. Dort zeigt sich, dass es gerade erst beginnt.

Genau hier möchte ich dann auf den IGEL hinweisen. Der IGEL ist die Initiative gegen ein neues Leistungsschtzrecht der Verleger. Alles, was ich hier so geschrieben habe und was alle anderen vor mir, auf die ich mich bezogen habe, ebenfalls so schreiben mit Verweisen und Zitaten auf andere, wäre so gar nicht mehr möglich.

Wir sind nach der Industrialisierung jetzt im Zeitalter der Globalisierung. Jetzt wollen die Verleger eine Art Pauschalsteuer für ihre Produkte, die sie kostenlos (was nicht stimmt, s.u.) im Internet anbieten. Aber die Argumentation stimmt so leider nicht. Verleger können jederzeit mit einer einfachen robots.txt oder -htaccess Datei alle Suchmaschinen von ihren Seiten fernhalten. Aber sie wollen das ja gar nicht. Sie wollen mit ihren Onlineangeboten bei google gefunden werden und dann automatisch dafür noch Geld erhalten – oder verstehe ich das falsch?

Und damit nicht genug. Da wird sogar diskutiert, dass die, die über Inhalte schreiben und darauf verlinken (?) dann auch noch dafür bezahlen müssen, wenn sie damit Geld verdienen. Auf gut deutsch: wenn ein Blogger auch nur eine einzige Anzeige auf seiner Seite hat, ob von google oder vom lokalen KFZ-Dienst, dann müßte er auch noch dafür bezahlen? Das ist ein Denken wie die Einführung einer Bartsteuer zu früheren Zeiten und jenseits von Absurdistan, um es einfach zu sagen.

Aber es geht noch weiter! Wenn das so wäre, wofür würden die Verlage denn Geld erhalten? Auf perlentaucher.de hat Thierry Chervel darauf hingewiesen, dass oft nur 5 Prozent einer Printausgabe überhaupt nur im Netz zu finden sind. Und dort finden sich ja dann eher die Dinge, die woanders auch zu finden sind.

Wenn man das zu Ende denkt, dann wäre statt eines Leistungsschtzrechtes für Verleger wohl eher ein Leistungsschutzrecht für Blogger angesagt. Das wäre ein Modell mit Zukunft und Aufforderung zum Mitmachen!

Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft bringt. Vor allem stelle ich mir die Preisfrage, wer ist zuerst da, der Mindestlohn oder die „Zusatzsteuer“ für Verleger?

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