Zeitungssterben oder es bleibt alles beim Alten

Warum sollte es den Zeitungen anders ergehen als dem Rest der Betriebe in einer zunehmend globalisierten Welt?

Erinnern Sie sich noch? Zeitungen waren dazu da, um Nachrichten mitzuteilen. Später wurden diese dann noch kommentiert und eingeordnet. Dann wurden um die Texte Anzeigen verkauft, weil die Menschen Nachrichten kaufen wollten.

Heute ist es anders. Die Nachrichten sind schon bezahlt durch GEZ und Steuermittel. Wir erhalten sie daher auch täglich auf vielen Kanälen im Radio, im Fernsehen und im Internet mitgeteilt.

Nun gibt es da noch die Zeitungen. Während die gedruckten Zeitungen schon lange fast alle einen überregionalen Teil haben und dann noch die Lokalseiten, weil es sich anders nicht rechnet, wundert man sich nun, dass die Menschen den überregionalen Teil nicht mehr brauchen.

Und für die Lokalseiten allein braucht man auch keine Zeitung mehr zu kaufen. Das Entstehen der Blogkultur mit lokalen Weblogs tut ein übriges. Wer etwas wissen will, der kann abends in seinen regionalen Sender schauen und morgens auf eine Webseite.

Je mehr Nachrichten desto weniger Zeitungen ist die logische Folge davon.


Das ist die Situation. Und deshalb ist der Bezahl-Journalismus an dieser Stelle auch ein Auslaufmodell.

Das wollen natürlich die Betroffenen nicht hören. Das ist aber der Markt, den die meisten in den Zeitungen immer hoch lobten.

Hätte man das aufhalten können? Wer an den Markt und an das Schlechte im Menschen als Voraussetzung für das Gemeinwohl glaubt, der wird dies verneinen.

Wer anders denkt wird ja sagen. Denn es gibt eine seit mindestens zehn Jahren zu beobachtende Tendenz im digitalen Journalismus. Auf eine Formel gebracht lautet diese Tendenz, lieber alleine sterben als zusammen erfolgreich sein.

Die, die lesen wollen, die suchen sich auch ihre Nachrichten im Web zusammen. Das ist ja das Rezept von google. Neugier ist natürlich und Suchen nach ist die direkte Folge daraus. Aber statt mit Blogbetreibern zusammenzuarbeiten und Anzeigen zu teilen und Akteure zu integrieren wurde so getan als ob jede Zeitung einfach nur eine Webseite braucht und dann bleibt alles beim Alten.

Dumm gelaufen!

Wenn ich mich daran erinnere wie oft ich mit den Tageszeitungen in meinem Umfeld darüber gesprochen habe, dass ich gerne mitmachen würde im Onlinebereich und wie abweisend die Reaktionen waren, dann kommt nun langsam die Quittung dafür.

Das schreibe ich nicht mit Häme sondern weil ich sagen will, es hätte anders laufen können, wenn man bereit gewesen wäre zu verstehen, dass die Zukunft anders aussehen wird.

Als ob irgendjemand in ein paar Jahren noch lesen will, welcher Redakteur und welche Redakteurin in welcher Zeitung auch noch über die Meldungen der grossen Politik geschrieben hat und dann auch noch synoptisch. Das braucht keiner und das frisst nur Zeit.

Und auch die vielen ich-sage-auch-noch-was-dazu Zeitungen – Hilfe.

Audio wird bleiben und gute Reportagen im Radio auch. Das ist aber bisher eine echte Domäne der GEZ-Betriebe vom Deutschlandradio über WDR 3 und 5 bis zu den anderen öffentlichen Anbietern.

Nachrichten werden schnell und kurz sein müssen und dafür mehr zu bieten haben als bisher. Man wundert sich immer wenn man auf arte und euronews Nachrichten geschaut hat, was in den grösseren Nachrichtensendungen alles nicht zu finden ist.

Das RTL-Niveau ist echt zu niedrig und hört meistens da auf, wo der denkende Mensch anfängt.

Und Zeitungen? Die Zeitung der Zukunft ist der fachlich gute Webseitenartikel, der öffentlich zu finden ist und durch Werbung finanziert wird.

Also das klassische Modell der Zeitungsfinanzierung.

Es bleibt also alles beim Alten. Na gut, nicht ganz. Das Problem ist, dass auf diesen Webseiten nicht Google die Werbung bestimmen wird sondern diese Webseiten die Werbung bestimmen.

Aktuell verdient in der Regel eine PR-Agentur Geld damit dass sie Anzeigenkunden Anzeigen verkauft und verspricht, dass diese Anzeigen dort und dort geschaltet werden. Die Blogbetreiber sind aber so dumm diese Anzeigen bei sich kostenlos einzubinden und sie erhalten nur Geld, wenn auf die Anzeigen geklickt wird. So hat die PR-Agentur verdient und der Blog, der alles liefert, schaut in die Röhre.

Und so kann der bezahlte Journalismus in der Zukunft nicht laufen, wenn er bezahlt sein soll. Die Anzeigenkunden müssen die Blogs sauber bezahlen. Daran sollten sie auch ein Interesse haben, denn die PR-Agenturen können weder die guten Artikel noch die guten Webseiten liefern.

Wenn ein Banner gebucht wird dann nicht nach Klicks sondern nach Zeit. Eine Woche, ein Monat, auf einer Seite, auf allen Seiten sichtbar – so geht das nur.

Und da kommt dann so etwas wie ein Verbund der Blogbetreiber ins Spiel. Es ist eine digitale Interessenvertretung, die den Anzeigenkunden als Ansprechpartner dient. Das ist in diesem Fall keine Gewerkschaft sondern ein Team, das die Arbeit der Anzeigenschaltung koordiniert.

Aber Solidarität ist eine Eigenschaft, die nur in der höchsten Not kurzfristig in Erscheinung tritt. Mal sehen wie viele Jahre es noch dauert.

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