Von 55 bis 67 arbeiten für die Rente

Nun ist es also Wirklichkeit. Wir müssen so lange arbeiten. Wenn ein Akademiker bis 25 studiert hat, dann hat er 3+5 Jahre Anrechenzeiten für die Rentenversicherung. Diese Zeiten sind aber keine Beitragsjahre. Wer also mit 25 direkt einen Job erhält und dann durchgängig bis 65 arbeitet und dabei immer den Höchstsatz einzahlt (von ca. 5500 Bruttogehalt), hätte ca. 2000 Euro Bruttorente.

Wer bis 63 arbeitet und immer den Höchstsatz einzahlen würde, hätte ungefähr 1900 Euro Bruttorente.


Wer aber eigentlich dann bis 67 arbeiten müsste, dem würden dann davon ca. 15 Prozent abgezogen (0,3 Prozen pro Monat des vorzeitigen Renteneintritts für immer x 48 Monate = 14,4 Prozent bei 63 statt 67),

also ca. 1900 minus 10% =190 + 5%=95 = 285 Euro. 1900 minus 285 =  1615 Euro Euro brutto an Rente. Diese muss dann noch voll versteuert werden. Das sind alles nur ungefähre Angaben, real ist es fast immer weniger.

Wer weniger verdient und nicht immer gearbeitet hat, der hat es ganz schlecht. Eine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke an die Bundesregierung brachte es aktuell 2011 auf den Punkt. Ich will dies nochkrasser ausdrücken.

Wer 40 Stunden pro Woche für je 10 Euro arbeitet, hat im Monat ca. 1600 Euro brutto. Er erhält nach 12 Monaten in der Rentenversicherung ca. 16 Euro Gutschrift, also für 10 Jahre mit diesem Lohn ca. 160 Euro Rente.

Wenn nun jemand 40 Jahre mit 40 Stunden gearbeitet hat und immer 10 Euro verdient hat, dann hat er/sie in der Rentenversicherung eine Gutschrift von ca. 640 Euro Bruttorente.

Anders ausgedrückt, man müsste 20 Euro pro Stunde 40 Jahre lang verdienen, um eine Rente von  1280 Euro brutto zu erhalten. Die „Armutsgrenze“ liegt bei ca. 938 Euro.

Wer mit 20 zu arbeiten begonnen hat und mit 65 aufhört, der hat 45 Versicherungsjahre. Wer mit 7 Euro angefangen hat und mit 15 Euro aufgehört hat und zwischen durch immer gearbeitet hat, der hätte bei einem Durchschnitt von 12 Euro pro Stunde für 10 Jahre bei 12 Euro pro Stunde und mit 40 Stunden pro Woche ca. 1920 Euro. Wir sprechen mal von 2000 Euro Bruttoverdienst.

Wer 2000 Euro Bruttoverdienst pro Monat 45 Jahre hatte, der hat danach ungefähr 900 Euro Bruttorente.

Die meisten haben weniger und liegen knapp über oder am Satz des Alterssicherungsgesetzes. Daher müssen viele zwischen 55 und 67 zukünftig arbeiten gehen, damit sie mehr als 684 Euro Alterssicherungsgesetz erhalten.

Die Rente, die man dann erhält, wird natürlich noch versteuert und mit Sozialversicherungsbeiträgen belastet.

Aber die Menschen haben ja nicht gegen die Rente mit 67 und die vorher schon erfolgten Rentenkürzungen demonstriert. Das gilt für jung und alt gleichermassen. Selbst heute gibt es noch viele, die sagen, wir können uns eine Rente mit 60 oder 63 nicht leisten. Und dies im Angesicht der Bankenkrise und Länderkrise.

Daher werden wir uns fragen müssen, wie wir die Menschen zwischen 55 und 67 zur Arbeit bringen. Ein Problem ist übrigens das Lebensalter selbst. Wer 55 und älter ist, der weiß, dass die meiste Zeit seines Lebens um ist. Er oder sie hat schon viele vorher sterben sehen. Auch biologisch baut man ab. Selbst die Pumpleistung des Herzens halbiert sich bis 70.

Aber Franz Müntefering, Frank-Walter Steinmeier, Angela Merkel, die FDP und die Grünen sehen die Rente mit 67 statt mit 63 ja bis heute als alternativlos an.

Vielleicht wird es in hundert Jahren Historiker geben, die die Ausplünderung der deutschen Sozialsysteme noch beschreiben und darüber, dass immer mehr Menschen deshalb immer länger arbeiten müssen. An dieser Stelle müßte ich nun über Beamte schreiben, aber das will ich im Angesicht dieser sozialpolitischen Katastrophe zu einem anderen Zeitpunkt tun. Bis hierher reicht es schon.

Denn historisch wird Deutschland ab 2020 ein Land der Armen sein, die ein Leben lang gearbeitet haben und im Alter arm sein dürfen. Aber die meisten der davon betroffen interessiert dies nicht, zumindest nicht politisch.

Statt Demo lieber Fussball. So ist es und das muß man einfach akzeptieren. So werden wir wohl bald eine zunehmende Form von Dienstleistungen von Älteren an Älteren erleben dürfen.

Wer es sich erlauben kann, der wird dann für kleines Geld eine Hausdienerin, eine Einkaufshilfe und vieles mehr haben. Und die Menschen, die dies tun, werden sich freuen, weil sie sich etwas hinzuverdienen können.

Ach übrigens, auf Rügen sind viele Stundenlöhne noch viel niedriger, bei ca. 6,50 Euro brutto. Aber wer will darüber schon nachdenken.

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