Was DGB, IG Metall, Verdi & Co von Attac lernen können

„Attac ist jetzt 25.000 Mitglieder stark“ – so lautet die Schlagzeile in einer Email, die ich heute erhalten habe. Die DGB-Gewerkschaften haben ca. 6,2 Millionen Mitglieder.

Aber in der Darstellung in den Medien ist es genau umgekehrt. Da wird Attac die Kompetenz für die wichtigen Fragen zugesprochen und bei Gewerkschaften nimmt man lieber andere Themen oder beschränkt sich sehr.


Man muß aber auch die Frage stellen, ob die DGB Gewerkschaften von Attac lernen wollen. Begriffe wie solidarisch, zusammen, bergischdigital und einige mehr, die positiv sind und Engagement zeigen, scheinen in den Gewerkschaften auf wenig Gegenliebe zu treffen.

Sie besetzen weder im Internet noch in den öffentlichen Debatten die Themen und Begriffe, die ihre ureigensten wären.  Eigentlich ist heute eine gute Zeit für Gewerkschaften, wenn sie keine Angst vor der Zukunft haben.

Zukunftsfähigkeit erreicht man durch Glaubwürdigkeit und Glaubwürdigkeit durch notwendige Veränderungen. die Gewerkschaften wissen seit langer Zeit, dass es nicht so weitergeht, wenn es so weitergeht.

Es gab noch nie so kompetente Mitglieder und noch nie so viele Möglichkeiten, Freude und Engagement zu koppeln durch interessante Aktionen. Früher war das Gewerkschaftsleben umfassend, danach wurde es mehr und mehr ein reines Tarifthema im Betrieb.

Heute beginnt eine neue Zeit. Die Menschen haben entschieden. Sie haben die Rente mit 67 akzeptiert, sie haben Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse akzeptiert, sie haben die Globalisierung akzeptiert und sie haben ein Leben akzeptiert, welches nicht mehr nur aus Arbeit, Zeitkonten und anderem besteht. Sie haben ein Sozialsystem akzeptiert, welches sie auffängt und aufstockt und vieles mehr.

Gewerkschaften können die Zeit nicht zurückdrehen. Sie können nur die Interessen ihrer Mitglieder in der neuen Zeit einbringen.

Gewerkschaften werden nur noch als Randfrage wahrgenommen, Attac wird als zentrale Organisation medial akzeptiert. Man stelle sich vor, Gewerkschaften würden wöchentlich (multi)medial vor Ort mit Fotos, Texten und Clips über ihre Themen lokal digital berichten. Die Themen liegen auf der Strasse und vor den Betrieben. Und nicht immer nur feindselig oder kampfträchtig.

Digitales ist nicht der Feind der Gewerkschaften. Der DGB ist eine bunte und grosse Organisation mit vielen Möglichkeiten. Aber er nutzt sie nicht.

Von Attac lernen heisst in diesem Fall für die Gewerkschaften für Mitglieder interessant werden, für die Gesellschaft erkennbar werden und für Bündnispartner attraktiv werden.

Die Welt ändert sich. Es entstehen andere Berufsverbände und es gibt neue Generationen von Menschen in anderen Lebensmodellen. Das ist Chance und Problem. Es ist auch die Chance der Gewerkschaften – ob sie wollen oder nicht.

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