Weg vom Werk und in die Rente – über neue Internetkampagnen der Gewerkschaften

Eine Meinungsäusserung

Die IG Metall produziert mit dem Unternehmen Wegewerk einige Kampagnen. Man könnte auf den Gedanken kommen, sie mit der Internetadresse ab-in-den-urlaub zu assoziieren, aber da liegen dann doch Welten zwischen (zumal es sich um ein anderes Unternehmen handel, welches seine Kampagnen immer mit den besten deutschen Wörtern zum Thema als .de Internetadressen begleitet und so ein echtes digitales Erreichbarkeitskonzept hat –  im Gegensatz zu wegewerk und den Gewerkschaften).

So gibt es jetzt mehr-gerechtigkeit-wagen, gut-in-rente, gutes-leben, wir.die-igmetall und noch ein paar mehr. Zudem haben dort auch andere Gewerkschaften ähnliche Themen und Kampagnen gestartet. Die Begriffe kreisen meistens um die Adjektive mehr, gut, mindestens.

So versuchen nun die Gewerkschaften das digitale Leben bei den grossen Themen mit zu besetzen.

So so…

Allerdings frage ich mich, ob solche einfach gestrickten Webseiten mit zweitklassigen Internetadressen und Bestellformularen den Zielen dienen.

Wen sollen denn die Kampagnen erreichen? Wohl weniger die Mitglieder, denn diese sind ja schon mit Webseiten bestens versorgt.


Also eher diejenigen, die bald in Rente gehen? Wohl kaum. Oder alle Schichten der Bevölkerung und gerade auch die, die bisher kaum damit zu tun hatten?

Bei der Kampagne mehr-gerechtigkeit-wagen geht es nach den Webseiten eigentlich nur um Detlef Wetzel und sein Buch. So liest man bei amazon in einer Rezension „Detlef Wetzels Buch beschreibt das persönliche Erleben aus seiner Zeit als Gewerkschafter“.

Das kann dann wohl weniger einen Zugang für alle als Einstieg bieten. Es scheint eher für eine sehr spezielle Zielgruppe zu sein. Allerdings hat man sich im Rahmen eines Literaturleseprojektes wissenschaftliche Beratung gesichert.

 

Bei der Kampagne gut-in-rente wird neben einem Slider vor allem auch auf die Aktionswoche vom 5. bis 9. November 2012 hingewiesen. Haben Sie davon etwas gemerkt?

Auf ihrer Webseite schreibt die Firma Wegewerk: „wegewerk versteht sich als strategischer Partner bei der Planung und Duchführung gesellschaftlicherpolitischer Kampagnen – egal ob mit oder ohne Onlineschwerpunkt. Wir beraten bei der Ziel- und Zlelgruppendefinition, definieren die geeignetsten Kommunikationswege…“

Übrigens sind die Tippfehler und Setzfehler in dem Zitat nicht von mir sondern von der Webseite.

Ich halte den Ansatz und die Art der Herangehensweise für falsch und viel zu kurz. Webseiten kann jeder. Und Aufklärung reicht nicht. Das kann übrigens die IG Metall gut wie man hier sehen kann.

Aber wenn es darum geht in die digitale Welt richtig einzusteigen, dann braucht es mehr als Aufklärung und Webseiten.

  • Es fehlen Knüllerdomains, wenn man nicht nur massiv in Werbung investieren will,
  • es fehlen echte Transferprodukte als Einstieg und
  • es fehlt in meinen Augen sehr viel Wissen zu den verschiedensten Themen, die hier eine Rolle spielen.

Die Firma wegewerk und die IG Metall besetzen keine sozial positiv besetzten Schlüsselbegriffe und können daher auch keine Schlüsselkampagnen anbieten, die gesellschaftliches Zusammenrücken ermöglichen.

Spezialwissen und die Fähigkeit, die Dinge umzusetzen und wirklich ansprechend und nachhaltig anzukommen, scheinen dabei nicht gefragt zu sein.

Haben diese Kampagnen daher eher einen legitimatorischen Charakter? Dann braucht man nicht weiter darüber nachzudenken.

Sollten Sie aber eine Wirkung darüber hinaus intendieren, dann würde ich empfehlen, die Internetadresse ab-auf-die-suche zu registrieren, damit sie endlich die kompetenten Ansprechpartner und Internetadressen finden, die sie brauchen, um erfolgreicher in den medialen Diskussionen zu sozialen Themen werden zu können.

Ach so, und wenn man sich schon als Firma versteht, die als strategischer Partner für „Kampagnen“ auftritt und dann eine Facebookseite hat mit 192 Gefällt mir -Angaben (nicht 192.000) dann würde ich daran mal arbeiten.

Es handelt sich um wichtige Themen für viele Menschen. Deshalb muss es darum gehen, nachhaltig, tief und angemessen diese Themen aufzugreifen und umzusetzen. Das sehe ich hier leider nicht.

 

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