Wie die Süddeutsche Zeitung rechnet, wenn Rentner mehr hinzuverdienen dürfen

Heute (20. März 2012) weist die Süddeutsche Zeitung darauf hin, dass Rentner künftig mehr hinzuverdienen können. In dem Artikel kommt dann folgende Rechnung:

„Wie sich die neue Grenze konkret auswirkt, zeigt das Beispiel eines Durchschnittsverdieners in der Rentenversicherung. Dieser erhält im Monat 2555 Brutto. Als 63-jähriger, der die Anspruchsvoraussetzungen für die Altersrente für langjährig Versicherte erfüllt, bekommt er etwas 1011 Euro. Die Abschläge von seiner Rente aufgrund des vorzeitigen Bezugs der Altersbezüge sind dabei bereits berücksichtigt. Er kann nun künftig bis zu 1544 Euro statt bislang 400 Euro hinzuverdienen, ohne dass dies seine Rente schmälert.“

Das ist doch Journalismus vom Feinsten. Voraussetzung für die Rente ab 63 sind ja 35 anrechenbare Jahre. Wir gehen mal davon aus, dass diese Person also 35 Jahre ununterbrochen 2555 Euro brutto pro Monat verdient hat. Dann kann es eigentlich unmöglich mehr als ca. 880 Euro Rentenanspruch brutto sein.

Also muss der Rentner 10 Jahre mehr gearbeitet haben mit jeweils 2555 Euro brutto, insgesamt 45 Jahre. Dann würde er mit 63 Jahren insgesamt ca. 1150 Euro brutto an Rentenanspruch haben.

Wenn der Rentner nun wie hier angeführt 1011 Euro brutto hat und davon der Kürzungsbetrag von 14,4 Prozent (?) abgezogen ist, dann würde dies rückgerechnet – wenn ich 1011 x 1,144 rechne – einen Rentenbetrag von ca. 1157 Euro brutto ergeben.

Diese 1157 Euro brutto wären mit 63 Jahren – also nach 45 voll gearbeiteten Versicherungsjahren mit jeweils 2555 Euro brutto pro Monat – der eigentliche Rentenanspruch mit 63 Jahren (ohne eventuelle Rentenerhöhungen). Das ist natürlich nicht sehr real und transparent!

Das ist in meinen Augen journalistische Schönfärberei. Wer verdient denn 45 Jahre lang durchgängig pro Monat 2555 Euro brutto?

Und das ergibt nach Abzug von 14,4 % eine Bruttorente von 1011 Euro mit 63. Davon wird dann noch der Sozialversicherungsbetrag abgezogen. Es bleibt ein Betrag von mehr als 900 Euro netto, also ca. 1800 DM netto.

Und wer diese Rente dann erhält, der darf nun noch mehr als 400 Euro hinzuverdienen.

Hätten Sie es gewusst? Dieser Artikel scheint weniger zu informieren als eine Art Pressemitteilung von Frau von der Leyen zu sein. Mit kritischem Journalismus hat das wohl wenig bis nichts zu tun.

 

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