Wie man ältere Arbeitnehmer in Erwerbstätigkeit bringt und warum die Rente mit 67 ein politischer Betrug ist

Das ist ganz einfach. Wie das geht, zeigt das „Gutachten des Sozialbeirates zum Rentenversicherungsbericht 2010“.

Dort lesen wir auf Seite 31: „Auch die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64- Jährigen hat sich deutlich erhöht. 2000 lag sie noch bei 37,5 Prozent, 2009 bereits bei 55,9 Prozent, somit um 49 Prozent höher. Der in der Europäischen Union im Rahmen der sog. „Lissabon-Ziele“ bis 2010 zu erreichende Richtwert von 50 Prozent wurde bereits 2007 überschritten.“


So, und jetzt darf ich Sie bitten, sich die nachfolgende Definition auf der Zunge gedanklich zergehen zu lassen: „Die Definition der Erwerbstätigkeit folgt dem Labour-Force-Konzept der International Labour Organization (ILO). Erwerbstätig ist jede Person im erwerbsfähigen Alter, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde lang gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit ggf. auch nur vorübergehend gearbeitet hat.“

Unterschrieben hat dieses Gutachten Professor Dr. Franz Ruland – googeln sie einfach mal.

Diese Art der Statistik gibt es schon ein paar Jahre. Wenn man bedenkt, dass sie ja als ideales Fuschmittel dienen kann, wird deutlich, wie unglaubwürdig sich die Politik in dieser Frage macht und vor allem, wie sie etwas nicht regelt, was fast alle Arbeitnehmer angeht.

Wer politisch die Erhöhung des Renteneintrittsalters beschließt und weiß, dass es – politisch gewollt – keinen Einfluß auf die Entscheidungen der Betriebe zur Einstellung oder Beschäftigung älterer Arbeitnehmer gibt, der handelt in meinen Augen im höchsten Grade asozial.

Die mittelständische Wirtschaft kann dies nicht allein schultern. Und wenn es dann eine Lösung geben sollte, dann wird diese doch wieder nur für Großkonzerne interessant sein, die es sich leisten können.

So werden die nächsten Jahre auch Schicksalsjahre für das Humankapital und den Umgang mit neuen Herausforderungen sein, also Schicksalsjahre für Deutschland. Wahrscheinlich wird dabei Deutschland ein Staat in der Mitte Europas sein, der wirtschaftlich absteigt.

Aber selbst die Milliardäre erkennen langsam, dass sie nicht in neue Länder gehen können. Die einzigen schönen Länder mit berechenbarer Freiheit – auch für Milliardäre – sind die USA, Europa und Australien sowie kleine Länder im Rest der Welt. Aber das bleibt nur so, wenn die Menschen in diesen Ländern auch leben können und nicht nur Politiker, Banken und Milliardäre.

Aber das ist ein anderes Thema.

Die Rente mit 67 ist ein Fehler. Die Rente mit 63 für alle, die 15 Jahre eingezahlt haben, ohne Kürzung und mit erhöhten Zuverdienstmöglichkeiten ist besser. Und wie bisher die Rente für alle, die 5 Jahre eingezahlt haben mit 65. Alles ohne Kürzungen.

Wer mit 63 in Rente geht, der erhält dann wenigstens Geld aufgrund eigener „Leistungen“ und muß nicht noch Erspartes verbrauchen, weil er Hartz 4 beantragen muß. Zugleich kann er hinzuverdienen. Selbst wenn die Rente dann nicht hoch ist, so hat genau dies etwas mit Würde zu tun. Es sei denn, man will, dass Menschen Anfang 60, die eben keine 35 Jahre voll haben, bewusst alles abgeben müssen, um bis 67 Hartz 4 zu erhalten und dann in die Grundsicherung zu rutschen. Das ist würdelos und asozial. Daher der Gedanke, 15 Beitragsjahre (nicht anrechenbare Jahre) und die Möglichkeit hinzuzuverdienen. Das ist besser.

Das wirft natürlich noch ein paar Fragen auf, die gelöst werden müssen, aber das ist nicht so schlimm wie die systematische Verarmung der ehrlichen und fleissigen Menschen, die ab 50/55 nicht mehr in Betrieben unterkommen und dafür mit Rentenkürzungen und Hartz 4 degradiert und entwürdigt werden.

Solange wir aber Menschen in leitenden Positionen haben, die Berichte anfertigen, bei denen diese ILO-Definition nicht in Frage gestellt wird, frage ich mich, wes Geistes Kind solche Menschen sind…

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.