Zwingt Hartz 4 ältere Menschen zum Selbstmord?

Selbstmord ist eines der Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Die Überschrift habe ich bewußt so gewählt, weil ich den Verdacht habe, es gibt Zusammenhänge, die bewußt nicht journalistisch von den GEZ-Medien und den sonst so fleissigen amtlichen Statistikern untersucht werden.

Nur Inge Hannemann hat die Wahrheit gesagt.

Es geht aber nicht nur um Ältere, sondern um Menschen, die mit asozialen Gesetzen konfrontiert werden. Bei den Älteren, die vorher gearbeitet haben, spitzt sich nur manches zu.

Und der Zusammenhang mit Hartz 4 wird erst langsam deutlich.

Wenn Menschen zwanzig Jahre oder länger in das System eingezahlt haben und dann arbeitslos werden und die 50 überschritten haben, dann sind sie offenbar besonders suizidgefährdet, weil die Hartz 4 Gesetze besonders schlecht mit ihnen umgehen.

  • Man zwingt sie bis auf 150 Euro pro Lebensjahr alle ihre Ersparnisse fürs Alter aufzubrauchen
  • Man zwingt sie sich unnötig zu bewerben, obwohl es keine Arbeitsplätze für sie gibt und
  • Man läßt sie unter dem Existenzminimum leben, obwohl dies menschenunwürdig ist und gegen das Grundgesetz verstößt.

Wer kann damit umgehen?

Da hier bewußt eine Situation geschaffen wurde, die Menschen ihre Hoffnung und ihr Geld raubt, ist es nachvollziehbar, wenn man vermutet, daß ältere Menschen bewußt in den Tod getrieben werden sollen.

„Hartz-IV ist Suizidbeförderungspolitik“ finden wir bei politik-im-spiegel. Dabei geht es nicht nur um Menschen über 50, auch Menschen unter 50 sind davon betroffen.

Je älter man ist und je mehr man fürs Alter vorgesorgt hat, desto mehr wird man bestraft. Besonders pervers ist das Verlangen, man solle sich bewerben, wenn ein Arbeitssystem geschaffen wurde, das menschliche Arbeit billig wie Dreck macht und Langzeitarbeitslose selbst vom Mindestlohn ausnimmt.

Es wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, daß die Gesamtkosten von Hartz 4 viel höher sind als vorher mit der alten Sozialhilfe und den alten Bedingungen, weil die Kosten der Krankheiten, Behandlungen, Massnahmen, Verwaltungskosten etc. nicht in dieser Berechnung drin sind. Es ging also nie um Kostensparen sondern eher um die Umsetzung alter Nazi-Denkmuster.

Diese führen zu Diskriminierungen wie ein einfach herausgegriffener Tweet zeigt aus der letzten Zeit:

 

 

Die Politik tut nichts, um dies alles zu ändern wie die Ausnahmen vom Mindestlohn bei Langzeitarbeitslosen aktuell zeigen.

Darauf weist aktuell auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) hin und fordert umfassende Reformen am Arbeitsmarkt. „Die Zehn-Jahres Bilanz der Hartz-Gesetze ist niederschmetternd. Folgenschwer wirkt sich dieses System auf Millionen Menschen aus, die davon betroffen sind“, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer.

So versucht man politisch, die Rentenkasse zu entlasten und die Menschen zu belügen, indem man ihnen sagt, sie sollen immer länger arbeiten, aber gar keine anständig bezahlten Jobs für Menschen über 50 anbietet. Es ist also ein politisches Versäumnis, keine gesetzliche Grundlage gegen die Diskriminierung Lebensälterer zu schaffen und es ist die Schuld der Politik, wenn Menschen über 50 auf einmal erleben, wie man ihnen fast alles wegnimmt, bevor sie Hartz 4 / Alg 2 erhalten.

Diese indirekte Enteignung von Menschen, die vorher in die Sozialsysteme eingezahlt haben, ist eines der brutalsten Sozialverbrechen, das ich kenne.

Man kann die Menschen, die das erleben, nur auffordern, sich nicht umzubringen sondern ihre Wut einzubringen oder umzusetzen.

Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt und man sollte nicht allein bleiben sondern sich in Gruppen organisieren.

Warum ich das hier schreibe?

Aus folgendem Grund:

In der Presseinformation Empfehlungen für die Berichterstattung nach dem Suizid einer bekannten Persönlichkeit finden wir folgende Hinweise:

„Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland um die 10.000 Menschen das Leben, über zwei Drittel davon sind Männer. Dass Suizidrisiko steigt bei Frauen und Männern mit dem Lebensalter. Das Durchschnittliche Lebensalter eines durch Suizid Verstorbenen liegt bei ca. 58 Jahren – mit steigender Tendenz. In Deutschland sterben ungefähr genau so viel Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle, AIDS, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen.
Die Anzahl der Suizidversuche kann auf mindestens 100.000 im Jahr geschätzt werden. Suizidversuche werden besonders häufig von Frauen und in jüngerem Lebensalter unternommen. Suizidversuche können oft als „Hilferufe“ interpretiert werden. Sie müssen immer ernst genommen werden, da sie einen Hinweis auf das Vorhandensein ernstzunehmender psychischer Probleme sind. Ungefähr jeder Dritte unternimmt nach dem ersten einen weiteren Suizidversuch und jeder Zehnte stirbt später durch Suizid. Eine Unterscheidung zwischen „ernsthaften“ und „nicht ernsthaften“ Suizidversuchen wird in der Suizidforschung mehrheitlich nicht mehr getroffen.
Das Suizidrisiko ist bei allen psychischen Erkrankungen erhöht. Dazu gehören besonders Psychosen, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und Depressionen. Der Anteil der psychiatrischen Erkrankungen an den vollendeten Suiziden ist methodisch nur sehr schwierig zu erheben. Die vorliegenden Studienergebnisse unterscheiden sich erheblich: je nach Studie wurden 15% bis 95% der durch Suizid Verstorbenen als depressiv beurteilt. Auch ist zu berücksichtigen, dass aus Suizidgedanken nicht zwangsläufig auf eine psychische Erkrankung zu schließen ist. Das Suizidrisiko ist im Vergleich mit dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung erhöht bei: Männern, Menschen im höheren Lebensalter, Menschen mit gleich- geschlechtlicher sexueller Orientierung und jungen Migrantinnen. Traumatisch erlebte Ereignisse wie der Verlust wichtiger Bezugspersonen, schwererere Erkrankungen, Veränderungen von Lebensumständen wie durch den Verlust des Arbeitsplatzes oder Untersuchungshaft bzw. schon die Angst vor solchen Ereignissen können bei vulnerablen Menschen Suizidgedanken auslösen.“

So lautet meine Frage: Wenn das nationale Suizid-Präventionsprogramm ernst genommen werden will, gibt es irgendwo eine veröffentlichte Statistik wie viele Alg 2 Bezieher Selbstmordversuche hatten?

Ich habe diese Frage auch dem Aktionsbündnis seelische Gesundheit gestellt. Mal sehen, ob ich etwas erfahre.

Nachtrag: bis zum 1.9.2015 gab es keine Antwort, also länger als ein Jahr.

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